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Antje Vollmer und Janusz Reiter mit Lehndorff-Medaille ausgezeichnet

Am geschichtsträchtigen Schloss Steinort in Polen wurden am Abend des 18. August 2021 die Vizepräsidentin des deutschen Bundestages a.D., Dr. Antje Vollmer, und der Botschafter Polens in Deutschland a.D., Janusz Reiter, mit der Heinrich-von-Lehndorff-Medaille ausgezeichnet. Zu diesem Ereignis waren über 100 Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Kultur sowie Angehörige der Familie von Lehndorff mit Freunden und Bekannten nach Masuren gekommen. Nach der Begrüßung durch die Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Danzig, Cornelia Pieper, das Vorstandsmitglied der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz, Prof. Dieter Bingen, sowie den Vorstandsvorsitzenden der polnischen Schwesterstiftung PNF, Advokat Wojciech Wrzecionkowski, erläuterte der Stifter der Medaille Prof. Wolfram Jäger die Kriterien der Verleihung. Mit der Medaille sollen einmal jährlich polnische und deutsche Persönlichkeiten geehrt werden, die sich für die Bewahrung der Erinnerung an Heinrich Graf Lehndorff (1909 – 1944) als Mitglied des militärischen Widerstandes gegen Hitler und seine Rolle bei der Vorbereitung und Durchführung des Attentates vom 20. Juli 1944 engagieren oder die sich im weiteren Sinne für die Belebung der Zusammenarbeit im Sinne guter Nachbarschaft und freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Polen im vereinten Europa einsetzen. Darin eingeschlossen sein sollen auch die Bemühungen und Beiträge um die Erhaltung des Schlosses als einmaligen Ort polnisch-deutscher Geschichte.

Mit der Auszeichnung von Dr. Antje Vollmer werden ihre besonderen Verdienste um die Erforschung, Dokumentation und ergreifende, im Jahre 2010 veröffentlichte literarische Darstellung des „Doppellebens“ von Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Schloss Steinort während der Zeit der Einquartierung des damaligen deutschen Außenministers Joachim von Ribbentrop gewürdigt. Heinrich von Lehndorff hatte sich früh dem militärischen Widerstand angeschlossen, und das Schloss Steinort war ein idealer und unverfänglicher Ort für Gespräche, Werbungen und Absprachen, da niemand hier Verdacht schöpfte. Heinrich Lehndorff hat seine Mitwirkung mit dem Leben bezahlt. Er wurde nach zwei erfolgreichen, aber dann dennoch gescheiterten Fluchten am 4. September 1944 in Plötzensee hingerichtet. Antje Vollmer hat – angeregt durch den Kunsthistoriker Kilian Heck und den Dirigenten der Sächsischen Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann, sowie Vera von Lehndorff – das Projekt in Angriff genommen und schließlich vollendet. Hierfür gebührt ihr diese Ehrung. Das Buch „Doppelleben“ hat viele Menschen erreicht und motiviert, sich für die Erhaltung des einmaligen Ortes deutsch-polnischer Geschichte einzusetzen. Es gehört für immer zum geistigen Inventar von Schloss Steinort, wie die Laudatorin Prof. Irena Lipowicz in ihrer Rede betonte.

Janusz Reiter war von 1990 bis 1995 polnischer Botschafter in Deutschland und hat besondere Verdienste um das deutsch-polnische Verhältnis und dessen Neugestaltung nach 1989 sowie um die Belebung der Zusammenarbeit im Sinne guter Nachbarschaft und freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Polen, was er immer im vereinten Europa sieht. Zugleich würdigt die Auszeichnung die Neubewertung des Attentates vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler und der Akteure dieser mutigen Tat aus polnischer Sicht sowie den Einsatz für die Bewahrung dieses Ereignisses im Gedächtnis künftiger Generationen, wie der deutsche Botschafter in Polen Dr. Arndt Freytag von Loringhoven in seiner Laudatio betonte.

An die Auszeichnungen schloss sich eine musikalische Lesung des Abschiedsbriefes von Heinrich von Lehndorff an seine Frau Gottliebe an, den er wenige Stunden vor seiner Hinrichtung geschrieben hatte. Es entwickelte sich eine dramatische Spannung vor der Kulisse des Schlosses, dem originalen Schauplatz des „Doppellebens“, insbesondere weil Mitglieder der Familie Lehndorff zu den Gästen zählten. Zum Schluss waren sowohl Schauspieler Michael Mendl und Sopranistin Willa Weber als Akteure, aber auch die Zuhörer äußerst ergriffen und fast erstarrt, bevor verhaltener Beifall den Dank des Publikums zum Ausdruck brachte. Inzwischen war es dunkel geworden und der Mittelrisalit in ineinander übergehenden Farben erleuchtet. Es war ein emotional aufwühlender Abend, der Ernsthaftigkeit zum Ausdruck brachte und Hoffnung auf eine Wiederbelebung ausstrahlte.

Mit der Veranstaltung wurden auch das Interesse und das Engagement der Bundesrepublik Deutschland an der Sicherung und Erhaltung dieses einmaligen Ortes deutsch-polnischer Geschichte deutlich gemacht. Seit 2019 unterstützt der Bundestag die Notsicherung des schwer geschädigten Baus mit bisher dreimal 500 TEUR (Beantragt wurden die Mittel durch den Vorsitzenden der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag MdB Eckhard Pols). Ausgereicht werden diese Mittel über die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters. Es konnten dadurch Teile des Schlosses vor dem Einsturz gerettet und mit der Sanierung der einmaligen polychrom bemalten Decken im barocken Kernbau begonnen werden. Der Kernbau wurde 1689 bis 1692 erbaut und Anfang des 18 Jahrhunderts mit einer wunderbaren Bemalung der Decken ausgestattet. Diese sind infolge jahrelanger Vernachlässigung in einem desolaten Zustand, und die Deckenbretter mussten bereits vor Jahren ausgebaut werden. Mit einer innovativen Lösung zur Erhöhung der Tragfähigkeit können die Decken jedoch erhalten und für eine heute notwendige Tragfähigkeit ertüchtigt werden. Vier Zimmerleute „von der Walz“ von der Gesellenbruderschaft der Freien Vogtländer sind derzeit am Werk und setzen behutsam zerstörte Balkenköpfe und Dachsparren instand.

Tangiert wurde die Auszeichnungsveranstaltung von einer ökumenischen Andacht am Vorabend an der inzwischen geretteten Erbbegräbnis-Kapelle der Familie von Lehndorff, die in Steinort über 500 Jahre ansässig war und von hier aus die deutsch-polnische Geschichte mitgestaltet hat. Die Kapelle wurde nach einem Entwurf des Berliner Architekten Friedrich August Stüler von dem ortsansässigen Baumeister Laudien 1855 auf einer Halbinsel vor dem Steinorter See erbaut, damals in Blickbeziehung zum Schloss. Dieses in harmonischer Beziehung zur Landschaft errichtete Kleinod der Architektur war ebenfalls seit 2015 akut gefährdet und konnte auf Initiative von Prof. Wolfram Jäger mit Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz, der Senta-Weygandt-Stiftung sowie beachtlicher privater Spenden gerettet werden. Die Sanierung ist bei Weitem noch nicht abgeschlossen, der Bau selbst aber erst einmal gesichert. Er erscheint nunmehr wieder, von gigantischen Bäumen in respektvollem Abstand umgeben, in alter Erhabenheit und Schlichtheit in dem freigelegten Friedhof liegend.

Am Morgen des Tages nach der Auszeichnungsveranstaltung wurde unter Beteiligung vieler Besucher und Gäste die Namensgebung des inzwischen im Ostflügel des Schlosses eingerichteten kleinen Cafés vollzogen. Der deutsche Botschafter in Polen, Freiherr Dr. Arndt Freytag von Loringhoven, enthüllte zusammen mit Dirk von Haeften den Namenszug „Café Nona“ in Erinnerung an die älteste Tochter des Grafen Heinrich von Lehndorff, Eleonore von Haeften, genannt „Nona“ (1937 -2018). Dirk von Haeften ist ihr Sohn und zugleich Enkel des unmittelbar mit Graf Claus Schenk von Stauffenberg am Attentat beteiligten Hans Bernd von Haeften. Das kleine Schloss-Café wird zusammen mit dem schon 2019 eröffneten Info-Point ein Ort des Austausches und der Begegnung sein, wo man sich trifft, wo man sich berät oder wo man verweilen, sich erinnern und nachdenken kann. Er wird Ausdruck der Wiederbelebung eines Ortes sein, der heute im nordöstlichen Teil von Polen liegt und zugleich weiter ostwärts im Sinne eines friedlichen Miteinanders ausstrahlen kann.

Besonderer Dank gilt Frau Generalkonsulin Cornelia Pieper sowie dem gesamten Generalkonsulat Danzig für die finanzielle und organisatorische Unterstützung der Veranstaltung zur Medaillenverleihung.

Überreichung der Medaille durch den Stifter Prof. Wolfram Jäger an Antje Vollmer in Berlin, da sie aus gesundheitlichen Gründen nicht in Steinort sein konnte (Foto: Friedemann Spindler)
Musikalische Lesung des Abschiedsbriefes von Heinrich Lehndorff mit Willa Weber und Michael Mendl (Foto: Team Willa Weber)
Enthüllung des Namenszuges für das fertig gestellte Café im Ostflügel des Schlosses durch den deutschen Botschafter Dr. Arndt Freytag von Loringhoven (rechts) und Dirk von Haeften (links) am 19. August 2021 (Foto: Przemysław Sikora)

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