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Steinort 2021: Alles Gute im neuen Jahr!

Liebe Freunde und Unterstützer von Schloss Steinort!
Unseren Weihnachtsbrief hatte ich bereits am 1. Advent geschrieben. Das Versenden hatte sich wegen der Übersetzung ins Polnische und einer Umstellung unseres E-Mail-Systems verzögert. In der Zwischenzeit ist schon wieder einiges passiert, worüber heute berichtet werden soll. Außerdem ist uns der Neujahrstag Anlass für einen Rückblick, vor allem aber für eine Vorausschau auf das kommende Jahr. Viele Zuschriften auf unseren Adventsbrief zeigen Ihre Anteilnahme am Schicksal des Schlosses in Steinort und den laufenden Arbeiten. Gerade in der aktuellen Corona-Lage, die eine Reise nach Steinort für die meisten nicht erlaubt, wollen wir Sie verstärkt auf diesem Wege informieren und einbeziehen.

Die Firma Hohlbud hat das ganze Jahr über ununterbrochen an der Fundamentsicherung und der Weiterführung der Drainage und Regenwasserkanalisation gearbeitet. Wir sind jetzt zum Jahresende mit der Nordseite sowie der Ostseite einschließlich des ganzen Ostflügels fertig. Diese Arbeiten sind sehr aufwendig und arbeitsintensiv. Nachdem alles wieder zugeschüttet ist, sieht man erst einmal nichts mehr davon. Der Zustand „vorher“ nach dem Freilegen des Fundament¬mauerwerks zeigt aber auch dem Nicht-Baufachmann, dass dringender Handlungsbedarf bestand und alle anderen Maßnahmen sonst möglicherweise vergeblich gewesen wären. Ein besonderer Erfolg war, dass wir nach langem Hin und Her die Schmutzwasserleitung aus dem Ostflügel an die Kanalisation von King Cross anschließen und eine dauerhafte Vereinbarung zur künftigen Abwasserentsorgung treffen konnten. Wir freuen uns über die gute Zusammenarbeit.

Mit dem „OK“ der Adhoc Gruppe „Deckensanierung“ zu der von meinem Team geplanten denkmalverträglichen Lösung mit maximalem Substanzerhalt der wertvollen polychrom bemalten Holzbalkendecken standen die Genehmigungen für den Raum 0.09 (Historischer Kernbau Erdgeschoss links) an und sind inzwischen erteilt. Nach dem Wechsel des zuständigen, vom Denkmalamt anerkannten Restaurators konnten wir die geplante Sanierung endlich in Angriff nehmen und die restlichen, teilweise bereits durchgebrochenen Deckenbalken in diesem ersten Raum ausbauen. Sie sind jetzt in Trossingen bei der Firma Burgbacher Holztechnologie GmbH und werden dort in den ersten Wochen des neuen Jahres nach der von uns vorgeschlagenen, authentischen Lösung aufgearbeitet. Die von mir akquirierte Unterstützung durch den international anerkannten Leimholzfachmann Christian Burgbacher hat in der derzeitigen Pandemielage den Vorteil, dass wir sie hier in Deutschland trotzdem realisieren und Erfahrungen für den Umgang mit dem Rest der Deckenbalken im Schloss – dann in situ - jetzt sammeln können.

Besonders gefreut habe ich mich über eine Veröffentlichung zu dieser technischen Lösung der Ertüchtigung der Decken von Schloss Steinort, die im Dezemberheft der renommierten Fach¬zeitschrift „Bauingenieur“ erschienen ist. Wir waren dazu von der Schriftleitung eingeladen worden. Der Beitrag wurde von zwei Fachkollegen aus dem Holzbau reviewt und genehmigt. Mein Mitarbeiter Fabian Meyer erhielt im Zuge der Veröffentlichung noch kurz vor Weihnachten eine Einladung, über das Thema auf einer internationalen Tagung in Sofia vorzutragen. Pandemiebedingt soll diese Konferenz online im Januar stattfinden.

Mit der Firma Hohlbud tüfteln wir derzeit an der Sanierung der Balkenauflager, damit nach Rückkehr aus Trossingen die ertüchtigten Balken sofort eingebaut werden können. Leider mussten wir trotz vorheriger Bestandsaufnahme feststellen, dass sowohl das Mittelauflager als auch die Auflager auf der Außenwand in einem schlechteren Zustand sind, als erwartet. Die Situation ist mehr als kritisch und lässt keinen Aufschub zu. Die vielen Jahre des Stillstands haben leider ihre Spuren hinterlassen, die erst nach dem Ausbau der Balken in ihrem ganzen Ausmaß sichtbar geworden sind. Wir versuchen nunmehr mit moderner Kommunikationstechnik nahe am Objekt zu sein und mit unseren polnischen Teammitgliedern vor Ort eine einvernehmliche Lösung für den Ersatz des Mauerbalkens am Mittelauflager und für die Ertüchtigung der Korbbögen in der Außenwand zu finden. Deshalb arbeiten wir derzeit intensiv an einer Lösung mit Carbon-bewehrtem Mauerwerk - eine Möglichkeit, an der ich die letzten Jahre noch an meinem Lehrstuhl Tragwerksplanung an der TU Dresden forschen konnte. Die enge Zusammenarbeit mit der örtlichen Denkmalpflege und dem zuständigen Restaurator sichert, dass die vorgeschlagenen Lösungen am Ende auch genehmigt werden und ausgeführt werden können.

Die Sanierung des Hängewerkes im Dachgeschoss ist nunmehr nach erteilter Genehmigung im Gange, sodass es mit der Balkenkopfsanierung im Kernbau-Obergeschoss links im ersten Quartal 2021 weiter gehen kann. Auch hier sind innovative und in keinem Lehrbuch zu findende Lösungen erforderlich.

Im Ostflügel haben wir nach langem Ringen von der polnischen Gesundheitsbehörde die Genehmigung zur Einrichtung eines kleinen Cafés im Erdgeschoss (links) noch kurz vor Weihnachten erhalten, dessen Einrichtung aus zweckgebundenen Spenden erfolgen soll.

Nach ca. einem dreiviertel Jahr und intensiven Diskussionen auf der Basis unserer denkmalverträglichen Vorstellungen konnten wir nun endlich auch ein von polnischer Seite genehmigtes Brandschutzkonzept erwirken, sodass Klarheit für eine erste Nutzung besteht, vor allem von ersten Räumen im Kernbau und im Ostflügel.

Wir haben jetzt mit unserem polnisch-deutschen Team eine Fahrt aufgenommen, die wir bisher nicht hatten. Trotz Pandemie klappen die Abstimmungen bestens und die wöchentlichen Planungsberatungen via Videokonferenz sind fester Bestandteil unserer Arbeit geworden. Die besprochenen Probleme werden in Echtzeit protokolliert und als Aufgaben gleich wieder verteilt. Gott sei Dank haben wir das Infozentrum im Ostflügel und eine inzwischen gut funktionierende Internetverbindung (besten Dank an Herrn Wagner für sein Engagement).

Und nicht zuletzt gibt es zu berichten, dass der Bundestag noch vor Weihnachten den vorgelegten Entwurf der Haushälter für 2021 bestätigt hat, der auf Grund der bisher gezeigten Leistungen und Fortschritte eine weitere Unterstützung für Schloss Steinort in Höhe von nunmehr bereits dritten 500.000 Euro in Folge für die Weiterführung der Notsicherungsarbeiten am Kernbau vorsieht. Wir sind dafür sehr dankbar und werden in unseren Bemühungen für das Schloss nicht nachlassen.

Wir wollen im neuen Jahr 2021 beginnen, im Rahmen einer sogenannten „Probeachse“ erste Räume im Kernbau herzurichten, um den künftigen Umgang bei der Restaurierung der wertvollen polychrom bemalten Holzbalken und –bretter zu demonstrieren. Einbezogen wird dabei die Außenansicht in Form des Mittelrisalits, um Besuchern den Fortschritt zu zeigen. Parallel werden wir im Ostflügel weiter arbeiten, um den hier Tätigen und Planenden eine angemessene Arbeitsumgebung vor Ort zu bieten. Gleichzeitig schaffen wir damit eine Grundlage für den späteren Eigenbetrieb des Schlosses und damit für eine zukünftige wirtschaftliche Eigenständigkeit, da der Betrieb des Schlosses langfristig nicht über Fördermittel finanziert werden kann und soll.

Im weiteren Verlauf des Jahres werden wir uns um die Instandsetzung der imposanten Dachkonstruktion und die Sanierung der Schäden kümmern, um das bis dahin Geschaffte zu schützen. Da freuen wir uns jetzt schon auf die tatkräftige Mithilfe der Münchner Bautechniker-Schule. Die Bautechniker können es kaum erwarten, im September 2021 für einen Einsatz wieder nach Steinort zu kommen, nachdem die Aktion im Herbst 2020 leider Corona-bedingt ausfallen musste. Vieles funktioniert inzwischen über die Ferne, aber eben nicht alles! Um Kosten zu sparen, wollen wir den Ostflügel bis dahin soweit fertig haben, dass die Münchner Bautechniker das zukünftige Schloss-Pensionat testen können. Dafür sind weitere zweckgebundene Spenden sehr willkommen, da die Bundesmittel für diese Zwecke generell nicht zur Verfügung stehen.

Über alle weiteren Geschehnisse zu Schloss Steinort halten wir Sie natürlich auf dem Laufenden. Unter anderem geht es auch mit den Arbeiten zur Sicherung am Mausoleum weiter – dank Spenden sowie der Fortführung der Förderung durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien BKM.
Teilen Sie uns gern mit, wen wir außerdem noch in unseren E-Mail-Verteiler aufnehmen dürfen.

Ich wünsche Ihnen im Namen unseres gesamten polnisch-deutschen Bauteams „Schloss Steinort“ eine geruhsame Zeit in den nächsten Tagen und alles Gute für das Jahr 2021. Bleiben Sie vor allem gesund!

Ihr Prof. Wolfram Jäger & Team Sztynort

Vorgefundener Zustand des Fundamentmauerwerks auf der Nordseite zum Park, vor der Ertüchtigung
Sanierung der Fundamente (Nordost-Eckturm) - Arbeitsgang vor dem Verpressen
Verladen der Deckenbalken aus Raum 0.09 am 01.12.2020 (Foto: Janusz Dobrzynski)
Beginn der Sanierung des Hängewerkes im Dachgeschoss zur Abfangung der Deckenbalken über dem Treppenraum
Die polychrome Bemalung der Decken und von Teilen der Wände ist und bleibt das Highlight des Schlosses. Deren Sicherung und Restaurierung hat deshalb oberste Priorität
Visualisierte Probeachse am Kernbau, Außenansicht (Fotomontage unter Verwendung der Aufnahme von A. Weichelt und der Ansicht von B. Blanek)

01.01.2021, Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger & Team Steinort

Die Lehndorff-Kapelle in Steinort erstrahlt in alter Schönheit

Die Lehndorff ́sche Erbbegräbniskapelle in Steinort wurde 1855 nach Plänen des berühmten Berliner Baumeisters Friedrich August Stühler errichtet. Sie liegt idyllisch in einem Waldstück auf einer Halbinsel vor dem Steinorter See. Einst war von ihr aus ein wunderbarer Blick auf das Schloss möglich.

Die Kapelle war 2015 akut gefährdet, da sie ohne Dachdeckung dastand und das Regenwasser freien Lauf in das Innere des Daches und des Kreuzgratgewölbes hatte. Das Holz des Dachstuhls war stark durch holzzerstörende Pilze zersetzt worden, die sich frei entwickeln konnten. Das in das Gewölbe und das Mauerwerk eindringende Wasser hatte zu starken Frostschäden geführt, die die Standsicherheit gefährdeten.

Auf Initiative von Prof. Wolfram Jäger aus Dresden konnten erste Gelder für den Beginn der Notsicherung akquiriert werden, womit die nachfolgende Förderung durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien Monika Grütters und die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz in Gang kam. Schließlich haben eine bedeutende private Spende und die finanzielle Unterstützung der Senta-Weygandt-Stiftung, Görlitz dazu beigetragen, die unvorhergesehenen Mehrkosten zu decken und das Vorhaben zum Erfolg zu verhelfen.

In den Jahren 2020/2021 konnten die Arbeiten soweit abgeschlossen werden, dass das Bauwerk als gesichert bezeichnet werden kann, was durch den Abbau des Auslegergerüstes weithin sichtbar ist. Begleitet wurde die Maßnahme durch eine Initiative von Marta Akincza mit Unterstützung der Stadt Wegorzewo zur Freilegung des Friedhofes und zum Rückschnitt vorhandenen Wildwuchses. Die Kapelle bietet nunmehr wieder einen angemessenen Anblick als Zeitzeuge und gelungenes Bauwerk des Architekten Friedrich August Stüler, der zu seinen Lebzeiten viele bedeutende Bauwerke schuf, so das Neue Museum in Berlin, die Burg Hohenzollern in Hechingen (Deutschland), die Weichselbrücke in Tczew und die Johanniskirche in Kleipeda (zerstört). Die Auflistung seiner Werke umfasst über 300 Bauten. Außerdem ist es ein idyllischer Ort zum Inne-halten und zum Nachdenken für die vielen Segler und Touristen, die im Hafen von Steinort ankern oder das Schloss besuchen.

Die Sanierung insgesamt ist damit jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Die Restaurierung der Fassade unterhalb der Zwerchgiebel und des Sockels, der Zugangstreppe und der Flügelmauern zum See stehen ebenso noch aus wie die Restaurierung des einmaligen Kreuzgratgewölbes im Inneren der Kapelle. Das eingedrungene Wasser hatte hier zu starken Putz- und Stuckabplatzungen geführt, die

es nunmehr zu beseitigen gilt, bevor der Raum im Inneren wieder in alter Schönheit erstrahlen und die Besucher auch mit seinen akustischen Qualitäten erfreuen kann. Dazu sind in den weiteren Jahren Spenden und Fördergelder notwendig.

Der erreichte Bautenstand soll mit einer kleinen Andacht und anschließendem geselligen Beisammensein am

Montag, den 17. August 2021 20:00 Uhr an der Kapelle

feierlich begangen werden. Interessierte, Freunde von Steinort und Touristen sind herzlich eingeladen.

Anke Eis
Team „Schloß Steinort“ Prof. Jäger

Blick durch die Bäume auf die Kapelle im April 2021 (Foto: Janusz Dobrzynski)
Zustand vor Beginn der Notsicherung – Ansicht von Norden (Foto: A. Weichelt 2015)
Bauunternehmer Matthias Hohl und Mitarbeiter bei der Erneuerung des Simses der Zwerchgiebel (Foto: Hohlbud 2018)
Erneuerter Regenwassereinlauf (Foto: Matthias Hohl 2019)

Erstmalige Verleihung der Lehndorff-Medaille

Liebe Freunde und Förderer von Schloß Steinort,

am Mittwoch, den 18. August 2021, 18:00 Uhr wird auf Schloß Steinort erstmals die Lehndorff-Medaille verliehen, u.zw. für besondere Verdienste um die Bewahrung der Geschichte von Schloß Steinort in Erinnerung an Heinrich von Lehndorff, sein Schicksal und das seiner Familie sowie für Verdienste um die Förderung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit.

Die erstmalige Verleihung der Medaille erfolgt in diesem Jahr an Frau Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages a.D. Dr. Antje Vollmer und den Botschafter Polens in Deutschland a.D. Janusz Reiter. Im Anschluss an die Verleihung findet eine Lesung aus Antje Vollmers Buch „Das Doppelleben“ mit Willa Weber und Michael Mendl statt. Sie sind ganz herzlich im Namen von Frau Generalkonsulin Cornelia Pieper dazu eingeladen.

Im Zuge der Festivalwoche lädt das Bauteam weiter zu einer kleinen Andacht an der Erbbegräbniskapelle der Familie Lehndorff auf der Halbinsel vor dem Schloss am 17. August, 20:00 Uhr (an der Kapelle) ein. An diesem Abend wird die Kapelle in alter Erscheinung – gerettet und mit sanierter Dachhaube – ohne dem Auslegergerüst im Flutlicht erstrahlen. Von diesem Abend soll ein Dank an alle die ausgehen, die zur Rettung entscheidend beigetragen haben, DPS, PNF, SWS, die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien Prof. Monika Grütters und an die privaten Spender, die wesentlich den erreichten Stand mit ermöglicht haben. Anschließend wollen wir gesellig beim Grillen in der Nähe zusammen sein. Sie sind ganz herzlich eingeladen.

Und noch eine Einladung darf ich aussprechen:

am Donnerstag, den 19.08.2021, wollen wir um 10:00 Uhr
die Namensgebung für das kleine Café im Ostflügel des Schlosses vollziehen. Der deutsche Botschafter Arndt Freytag von Loringhoven wird zusammen mit Dirk von Haeften den Namenszug enthüllen. An diesem Tag werden die Bauarbeiten zu dem Café beendet sein; es fehlt dann nur noch die Ausstattung, die anschließend dank einer großzügigen privaten Spende eingebaut werden kann. Ein Gläschen Sekt wird das Café jedoch bereits kredenzen können.

Wir würden uns über Ihr Kommen sehr freuen und grüßen Sie ganz herzlich.

Antje Vollmer und Janusz Reiter mit Lehndorff-Medaille ausgezeichnet

Am geschichtsträchtigen Schloss Steinort in Polen wurden am Abend des 18. August 2021 die Vizepräsidentin des deutschen Bundestages a.D., Dr. Antje Vollmer, und der Botschafter Polens in Deutschland a.D., Janusz Reiter, mit der Heinrich-von-Lehndorff-Medaille ausgezeichnet. Zu diesem Ereignis waren über 100 Persönlichkeiten aus Politik, Kunst und Kultur sowie Angehörige der Familie von Lehndorff mit Freunden und Bekannten nach Masuren gekommen. Nach der Begrüßung durch die Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Danzig, Cornelia Pieper, das Vorstandsmitglied der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz, Prof. Dieter Bingen, sowie den Vorstandsvorsitzenden der polnischen Schwesterstiftung PNF, Advokat Wojciech Wrzecionkowski, erläuterte der Stifter der Medaille Prof. Wolfram Jäger die Kriterien der Verleihung. Mit der Medaille sollen einmal jährlich polnische und deutsche Persönlichkeiten geehrt werden, die sich für die Bewahrung der Erinnerung an Heinrich Graf Lehndorff (1909 – 1944) als Mitglied des militärischen Widerstandes gegen Hitler und seine Rolle bei der Vorbereitung und Durchführung des Attentates vom 20. Juli 1944 engagieren oder die sich im weiteren Sinne für die Belebung der Zusammenarbeit im Sinne guter Nachbarschaft und freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Polen im vereinten Europa einsetzen. Darin eingeschlossen sein sollen auch die Bemühungen und Beiträge um die Erhaltung des Schlosses als einmaligen Ort polnisch-deutscher Geschichte.

Mit der Auszeichnung von Dr. Antje Vollmer werden ihre besonderen Verdienste um die Erforschung, Dokumentation und ergreifende, im Jahre 2010 veröffentlichte literarische Darstellung des „Doppellebens“ von Heinrich und Gottliebe von Lehndorff im Schloss Steinort während der Zeit der Einquartierung des damaligen deutschen Außenministers Joachim von Ribbentrop gewürdigt. Heinrich von Lehndorff hatte sich früh dem militärischen Widerstand angeschlossen, und das Schloss Steinort war ein idealer und unverfänglicher Ort für Gespräche, Werbungen und Absprachen, da niemand hier Verdacht schöpfte. Heinrich Lehndorff hat seine Mitwirkung mit dem Leben bezahlt. Er wurde nach zwei erfolgreichen, aber dann dennoch gescheiterten Fluchten am 4. September 1944 in Plötzensee hingerichtet. Antje Vollmer hat – angeregt durch den Kunsthistoriker Kilian Heck und den Dirigenten der Sächsischen Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann, sowie Vera von Lehndorff – das Projekt in Angriff genommen und schließlich vollendet. Hierfür gebührt ihr diese Ehrung. Das Buch „Doppelleben“ hat viele Menschen erreicht und motiviert, sich für die Erhaltung des einmaligen Ortes deutsch-polnischer Geschichte einzusetzen. Es gehört für immer zum geistigen Inventar von Schloss Steinort, wie die Laudatorin Prof. Irena Lipowicz in ihrer Rede betonte.

Janusz Reiter war von 1990 bis 1995 polnischer Botschafter in Deutschland und hat besondere Verdienste um das deutsch-polnische Verhältnis und dessen Neugestaltung nach 1989 sowie um die Belebung der Zusammenarbeit im Sinne guter Nachbarschaft und freundschaftlicher Beziehungen zwischen Deutschland und Polen, was er immer im vereinten Europa sieht. Zugleich würdigt die Auszeichnung die Neubewertung des Attentates vom 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler und der Akteure dieser mutigen Tat aus polnischer Sicht sowie den Einsatz für die Bewahrung dieses Ereignisses im Gedächtnis künftiger Generationen, wie der deutsche Botschafter in Polen Dr. Arndt Freytag von Loringhoven in seiner Laudatio betonte.

An die Auszeichnungen schloss sich eine musikalische Lesung des Abschiedsbriefes von Heinrich von Lehndorff an seine Frau Gottliebe an, den er wenige Stunden vor seiner Hinrichtung geschrieben hatte. Es entwickelte sich eine dramatische Spannung vor der Kulisse des Schlosses, dem originalen Schauplatz des „Doppellebens“, insbesondere weil Mitglieder der Familie Lehndorff zu den Gästen zählten. Zum Schluss waren sowohl Schauspieler Michael Mendl und Sopranistin Willa Weber als Akteure, aber auch die Zuhörer äußerst ergriffen und fast erstarrt, bevor verhaltener Beifall den Dank des Publikums zum Ausdruck brachte. Inzwischen war es dunkel geworden und der Mittelrisalit in ineinander übergehenden Farben erleuchtet. Es war ein emotional aufwühlender Abend, der Ernsthaftigkeit zum Ausdruck brachte und Hoffnung auf eine Wiederbelebung ausstrahlte.

Mit der Veranstaltung wurden auch das Interesse und das Engagement der Bundesrepublik Deutschland an der Sicherung und Erhaltung dieses einmaligen Ortes deutsch-polnischer Geschichte deutlich gemacht. Seit 2019 unterstützt der Bundestag die Notsicherung des schwer geschädigten Baus mit bisher dreimal 500 TEUR (Beantragt wurden die Mittel durch den Vorsitzenden der Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag MdB Eckhard Pols). Ausgereicht werden diese Mittel über die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters. Es konnten dadurch Teile des Schlosses vor dem Einsturz gerettet und mit der Sanierung der einmaligen polychrom bemalten Decken im barocken Kernbau begonnen werden. Der Kernbau wurde 1689 bis 1692 erbaut und Anfang des 18 Jahrhunderts mit einer wunderbaren Bemalung der Decken ausgestattet. Diese sind infolge jahrelanger Vernachlässigung in einem desolaten Zustand, und die Deckenbretter mussten bereits vor Jahren ausgebaut werden. Mit einer innovativen Lösung zur Erhöhung der Tragfähigkeit können die Decken jedoch erhalten und für eine heute notwendige Tragfähigkeit ertüchtigt werden. Vier Zimmerleute „von der Walz“ von der Gesellenbruderschaft der Freien Vogtländer sind derzeit am Werk und setzen behutsam zerstörte Balkenköpfe und Dachsparren instand.

Tangiert wurde die Auszeichnungsveranstaltung von einer ökumenischen Andacht am Vorabend an der inzwischen geretteten Erbbegräbnis-Kapelle der Familie von Lehndorff, die in Steinort über 500 Jahre ansässig war und von hier aus die deutsch-polnische Geschichte mitgestaltet hat. Die Kapelle wurde nach einem Entwurf des Berliner Architekten Friedrich August Stüler von dem ortsansässigen Baumeister Laudien 1855 auf einer Halbinsel vor dem Steinorter See erbaut, damals in Blickbeziehung zum Schloss. Dieses in harmonischer Beziehung zur Landschaft errichtete Kleinod der Architektur war ebenfalls seit 2015 akut gefährdet und konnte auf Initiative von Prof. Wolfram Jäger mit Mitteln der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz, der Senta-Weygandt-Stiftung sowie beachtlicher privater Spenden gerettet werden. Die Sanierung ist bei Weitem noch nicht abgeschlossen, der Bau selbst aber erst einmal gesichert. Er erscheint nunmehr wieder, von gigantischen Bäumen in respektvollem Abstand umgeben, in alter Erhabenheit und Schlichtheit in dem freigelegten Friedhof liegend.

Am Morgen des Tages nach der Auszeichnungsveranstaltung wurde unter Beteiligung vieler Besucher und Gäste die Namensgebung des inzwischen im Ostflügel des Schlosses eingerichteten kleinen Cafés vollzogen. Der deutsche Botschafter in Polen, Freiherr Dr. Arndt Freytag von Loringhoven, enthüllte zusammen mit Dirk von Haeften den Namenszug „Café Nona“ in Erinnerung an die älteste Tochter des Grafen Heinrich von Lehndorff, Eleonore von Haeften, genannt „Nona“ (1937 -2018). Dirk von Haeften ist ihr Sohn und zugleich Enkel des unmittelbar mit Graf Claus Schenk von Stauffenberg am Attentat beteiligten Hans Bernd von Haeften. Das kleine Schloss-Café wird zusammen mit dem schon 2019 eröffneten Info-Point ein Ort des Austausches und der Begegnung sein, wo man sich trifft, wo man sich berät oder wo man verweilen, sich erinnern und nachdenken kann. Er wird Ausdruck der Wiederbelebung eines Ortes sein, der heute im nordöstlichen Teil von Polen liegt und zugleich weiter ostwärts im Sinne eines friedlichen Miteinanders ausstrahlen kann.

Besonderer Dank gilt Frau Generalkonsulin Cornelia Pieper sowie dem gesamten Generalkonsulat Danzig für die finanzielle und organisatorische Unterstützung der Veranstaltung zur Medaillenverleihung.

Überreichung der Medaille durch den Stifter Prof. Wolfram Jäger an Antje Vollmer in Berlin, da sie aus gesundheitlichen Gründen nicht in Steinort sein konnte (Foto: Friedemann Spindler)
Musikalische Lesung des Abschiedsbriefes von Heinrich Lehndorff mit Willa Weber und Michael Mendl (Foto: Team Willa Weber)
Enthüllung des Namenszuges für das fertig gestellte Café im Ostflügel des Schlosses durch den deutschen Botschafter Dr. Arndt Freytag von Loringhoven (rechts) und Dirk von Haeften (links) am 19. August 2021 (Foto: Przemysław Sikora)