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Adventsbrief 2020

Weiterführung der Sicherung von Schloss Steinort, Stand der Arbeiten und Ausblick

Liebe Freunde und Förderer von Schloss Steinort,

ich hatte im vergangenen Jahr um diese Zeit versprochen, dass wir uns zum Jahresende 2020 im Infopoint des Ostflügels treffen und gemeinsam über die Fortschritte in Steinort freuen wollen – zumindest die, die kommen können. Aufgrund der Corona-Pandemie ist das ja nun leider nicht möglich und auch die Abläufe vor Ort sind dadurch wesentlich erschwert worden. Nun will ich Sie mit diesem Adventsbrief über das Erreichte informieren. Wir konnten mit dem Beginn des Jahres 2020 ein engagiertes und einsatzfreudiges Team an Ort und Stelle in Steinort formieren. Die Lage des Schlosses in Polen erfordert es – auch wegen der von polnischer Seite gesehenen Wertigkeit des Objektes –, die polnischen Regularien und Genehmigungsprozesse einzuhalten, auch wenn es sich vorrangig um Notsicherungen handelt. Wir hatten begonnen, regelmäßig Beratungen im nutzungsfähigen Infopoint (Mit Bundesmitteln - über BKM - 2019 eingerichtet) in angemessener Umgebung durchzuführen. Sofort nach Eintritt der Einschränkungen infolge der Covid19-Pandemie hatten wir die Projektarbeit mit unserem polnischen Team vor Ort umgestellt. Seit März finden die wöchentlichen Beratungen der am Bau Beteiligten als Videokonferenz statt. Die Fotoaktivitäten wurden dazu verstärkt und über ein Tablet lassen sich konkrete Situationen am Bau in die Beratung einspielen. Meine Erfahrungen aus der europäischen Normung waren dabei sehr hilfreich.

Ich musste mich in meiner forschen, auf Taten drängenden Art etwas zurücknehmen, was die Vertrauensbasis mit den Ämtern auf ein der Sache dienendes Niveau gebracht hat. Eigentlich darf ich ja als „Nicht-Pole“ keine Unterlagen beim Denkmalamt und beim Bauamt einreichen. Auch hier konnte ich inzwischen meine „Europa-Kenntnisse“ ausspielen, bin inzwischen bei der Ingenieurkammer in Allenstein gelistet und kann für Schloss und Mausoleum Genehmigungs- unterlagen einreichen. Es hat einige Mühe gekostet, aber ich bin dann sehr freundlich vom zuständigen Ausschuss der Kammer aufgenommen worden.

Ungewöhnlich war für das Denkmalamt und einige andere mein Ansinnen – auch wegen der Pandemie-Beschränkungen – die ohnehin eingebrochenen und teilweise schon am Boden liegenden Deckenbalken im Raum 0.09 auszubauen. Wir sind guter Dinge, die Ausfuhrgenehmigung in den nächsten Tagen zu bekommen. Wir wollen die von uns vorgesehene Deckenlösung in Holz mit dem aufgeklebten Brettstapel zusammen mit Christian Burgbacher in Trossingen in seinem Werk vorfertigen und die alten Balken integrieren. Der Rest der Decken wird dann mit den Erfahrungen des führenden Holzleimbauers Christian Burgbacher in situ realisiert. Das Ansinnen hat viel Staub aufgewirbelt, der sich nunmehr gesetzt hat, auch weil ich den Gedanken als denkmalpflegerisch zulässig begründen konnte. Voraussetzung für die Genehmigung war, dass wir uns einen bodengängigen polnischen Restaurator suchen mussten, der jetzt kräftig mitzieht.

Weitere Genehmigungen waren notwendig für den Ostflügel und den baulichen Brandschutz. Der Brandschutzgutachter hat nunmehr sein Gutachten abgegeben, das auch die Bedingungen für eine Interims-Nutzung erster Räume berücksichtigt und in etwa unseren Vorstellungen entspricht. Das hat alles Kraft gekostet und Aufwand mit sich gebracht, den ich ehrlich gesagt nicht ganz so eingeschätzt hatte. Wir sind aber inzwischen auf gutem Wege, die Vorgänge sind griffiger geworden und laufen schneller.

Völlig lautlos und kontinuierlich hat in den ganzen Monaten der ortsansässige Bauunternehmer Matthias Hohl an der Fundamentsicherung und der Komplettierung der Regenwasserkanalisation und der Drainage weiter gearbeitet. Die notwendige archäologische Begleitung von polnischer Seite klappt bestens und ich kann sagen, dass dabei nie der Betrieb aufgehalten worden ist.
Eigentlich wollten wir bei der Ausarbeitung der technologischen Lösung des Ausbaus der Balken vor Ort sein und das mit dem Bauunternehmer gemeinsam entwickeln. Vor Ort ging es ja aktuell leider nicht, sodass nur die „ferngesteuerte“ ́Version möglich war. Alle meine vagen Ansätze sind inzwischen realisiert worden. Mein talentierter und denkmalpflegerisch ausgebildeter Mitarbeiter Fabian Meyer hat inzwischen die Leitung des Projektes übernommen und sich in diese schwierige Aufgabe gut eingearbeitet.

Was die Verausgabung der Mittel anbetrifft, so sind die ersten beiden 500 TEUR aus dem Haushalt 2019 bzw. 2020 verausgabt bzw. konkret verplant, allerdings mit einer gewissen Budgetverschiebung infolge des hohen Aufwandes für Detailplanungen und Genehmigungen. Die Zeitdauer von Haushaltszusage über den konkreten Antrag bis zum Bescheid ist sehr lang, weshalb ich auch den Bundestag um weitere Mittel in gleicher Höhe für 2021 gebeten habe, um eine kontinuierliche Weiterarbeit zu gewährleisten, das Dach in Angriff zu nehmen und einen dauerhaften Schutz des bis dahin Geschafften zu erreichen. Aus der beigefügten Pressemitteilung können Sie entnehmen, dass dieses Ansinnen eine positive Resonanz beim Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages gefunden hat und unser nachgereichter Sach- und Bildbericht die positive Entscheidung sehr gefördert hat. Ich bin besonders Herrn MdB Eckhard Pols und Frau MdB Patricia Lips für ihren Einsatz dankbar. Taten überzeugen eben mehr als vieles Reden. So richtig freuen dürfen wir uns aber erst, wenn der Bundestag den Haushalt endgültig beschlossen hat. Die Umsetzung der bisherigen Nutzungskonzeption ist durch Corona ins Stocken gekommen. Wir sind aber guter Dinge, dass wir 2021 dazu die ersten wesentlichen Schritte mit dem Eigenbetrieb und der Nutzung des Ostflügels schaffen können.

Spenden sind immer wieder willkommen, weil es oft Dinge gibt, die wir nicht über die Bundestagsmittel finanzieren können. Wir wären Ihnen sehr dankbar, wenn Sie einen finanziellen Beitrag leisten könnten – und sei er auch noch so klein. Jede Spende hilft!

Unser engagierter und für das Schloss brennende Bauunternehmer aus Pozezdrze, Matthias Hohl als Baggerfahrer im Einsatz
Injektion des Fundamentes am Ostturm des Kernbaus und Spritzschicht zur Aufbringung einer vertikalen Abdichtung
Einbau der Regenwasserkanalisation und der Drainage sowie der vertikalen Abdichtung am Ostflügel
Endlich ist es gelungen, die Schmutzwasserleitung an die örtliche Kläranlage anzuschließen – wichtige Voraussetzung für eine Teilnutzung!
Vorübergehender Abfangträger, um die auszubauenden Deckenbalken über dem Erdgeschoss kraftfrei stellen zu können
Grau ist alle Theorie der Denkmalpflege, Vormachen muss man es können! Hier zeige ich die Vorgehensweise bei der Balkenkopfsanierung im Schloss

29.11.2020, Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger & Team Steinort

Fotografie: Team Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger, Radebeul

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