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Die Erbbegräbniskapelle der Familie von Lehndorff bekommt einen neuen Dachstuhl

Seit 2015 kümmert sich der Lehrstuhl Tragwerksplanung der TU Dresden um die Rettung und Erhaltung der Erbbegräbniskapelle der Familie von Lehndorff, die idyllisch auf einer Landzunge vor dem Schloss Steinort liegt. Sie ist ein heute noch erhaltener neogotischer Bau, der auf den berühmten Berliner Architekten Friedrich August Stüler zurückgeht. Sie ist in einem bedenklichen Zustand und völlig dem Verfall preisgegeben. Durch das undichte Dach drangen die Niederschläge direkt ins Gebäude ein und drohten das wunderbare Netzgewölbe zum Einsturz zu bringen.

Der Bau zählt zu den wenigen im heutigen Osten von Polen Erhaltenen, aus der deutschen Vergangenheit. Er ist zusammen mit den Grablegungen ein Artefakt der deutsch-polnischen Geschichte dieser Region. Und er ist zugleich ein Denkmal der Architekturgeschichte und des Wirkens eines großartigen Architekten in der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Wesentliche Grundlagen für die Vorbereitung der Arbeiten waren die Bestandsaufnahme und die Schadensdokumentation, die im Wesentlichen von Studenten der Fakultät Architektur unter fachkundiger Anleitung durchgeführt worden sind. Besonders zu nennen sind dabei die Diplomarbeiten von André Weichelt und Sandy Klemm.

Die statische Berechnung für die Sanierung des Dachstuhls wurde von Jungingenieuren der Jäger Ingenieure GmbH Radebeul/Weimar erarbeitet inklusive eins Leistungsverzeichnis.

Finanziert wird dieses Projekt durch Eigenleistung, Eigenmitteln und Spenden.

29.05.2018, Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger

Ein Kleinod des Werkes von Friedrich August Stüler wird gerettet

Auf einer Halbinsel vor Schloss Steinort ließen Karl Ludwig Lehndorff und sein Sohn Carl Meinhard eine Erbbegräbniskapelle nach Entwürfen von Friedrich August Stüler in idyllischer Lage errichten. Ein einfacher in rotem Backstein gehaltener achteckiger Bau steht erhaben auf einem Hügel, von hohen Bäumen umgeben, als Kernpunkt eines kleinen Friedhofes. Im Inneren wird man von einem einzigartigen gebusten Netzgewölbe überrascht, das dem Raum eine schlichte Leichtigkeit und Schönheit verleiht. Endgültig verzaubert wird man dort, sobald ein Instrument oder gar eine Singstimme ein Lied intoniert. Die Akustik ist einzigartig.

Leider war und ist die Kapelle noch in einem bedauernswerten Zustand. Durch Vandalismus hat sie ihre einstige Tafel-Zink-Deckung verloren und über Jahre konnten Regen und Schnee ungehindert eindringen. 2013 hat die Polnisch-Deutsche Stiftung für Kultur und Denkmalpflege die Kapelle übernommen und sich bemüht, einen Weg zu ihrer Sanierung zu finden. Studenten der Fakultät Architektur der TU Dresden haben dann unter Anleitung von Professor Wolfram Jäger eine erste Bestandsaufnahme durchgeführt und die Planung gemeinsam mit jungen Mitarbeitern der Jäger Ingenieure GmbH in Radebeul vorangetrieben und schließlich mit Unterstützung des lokalen Architekten Mikolaj Nowakowski aus Gizycko/Lötzen bis zur Erlangung der denkmalrechtlichen Genehmigung und der Baugenehmigung vorangetrieben.

Zu den privaten Spenden konnten dann noch Fördermittel der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien erschlossen und weitere Spenden durch die Deutsch-Polnische Stiftung für Kultur und Denkmalpflege sowie die Lehndorff-Gesellschaft Steinort e.V. eingeworben werden, um die nötigsten Maßnahmen zur Notsicherung durchführen zu können.

Am 14.07. ist es nun soweit, dass die sanierte Dachkonstruktion wieder aufgesetzt sein wird und Richtfest gefeiert werden kann. Die Zimmerleute von der Walz haben fast zwei Monate lang unter Anleitung von Paul Neumann von den Jäger Ingenieuren in Radebeul an der Sanierung der Dachkonstruktionshölzer gearbeitet und dabei so viel, wie noch möglich war, an originaler Substanz erhalten. Die Zuwegung geht durch sumpfiges Gebiet und hat die Arbeiten sehr erschwert und verzögert. Nur durch die Unterstützung durch den örtlichen Bauunternehmer Matthias Hohl war es möglich, die schwierige Aufgabe zu lösen. Er hat mit seinen Mannen die Gerüstarbeiten und den Rückbau sowie die notwendigen Sicherungen unterstützt und ausgeführt. Auch jetzt ist er wieder mit dabei, die notwendigen Arbeiten zur Dachdeckung und Abdichtung zu ergänzen.

Auch wenn im September das Dach wieder dicht sein wird, gibt es dennoch bis zur vollständigen Sanierung noch viel zu tun. Eines ist aber sicher, dass die Kapelle aufgrund der Frostschäden und des rapiden strukturellen Abbaus des Holzes wohl kaum noch ein oder zwei Winter überstanden hätte. Es ist dem Engagement von Prof. Jäger und seinem Team zu verdanken, dass die Kapelle überleben und für nachfolgende Generationen erhalten bleiben wird. Jedoch ohne die Förderung durch BKM, die DPS, die Zimmerleute von der Walz von den Freien Vogtländern Deutschlands, viele private Spender und die Materialspenden aus der Industrie hätte der jetzige Stand nicht erreicht werden können. Die Lehndorff-Gesellschaft Steinort e. V. und insbesondere die Familie Lehndorff haben mit einer Sofort-Spendenaktion gesichert, dass die Kapelle zum Richtfest wieder ein bekrönendes Kreuz erhalten kann. Ihnen allen gilt der Dank.

06.07.2019, Prof. Dr.-Ing. Wolfram Jäger

Fotografie: Sebastian Bartsch / Studio56.eu